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VMI SPOTLIGHT INTERVIEW // Alina Peter - Musikerin, VMI-Alumna & Gründerin von Fräulein Peter

photo: ©  Georg Cizek


In diesem VMI Spotlight Interview stellen wir VMI-Alumna Alina Peter vor. Sie studierte am VMI Instrumental(Gesangs-)Pädagogik sowie Konzertfach, jeweils mit dem Schwerpunkt Gesang, und schloss ihr Studium im Jahr 2022 ab.


Als Gründerin und Frontfrau der Female-Fronted-Dialektpop-Band Fräulein Peter verfolgt sie ihren eigenen künstlerischen Weg und verbindet dabei musikalische Identität mit persönlichem Ausdruck.


Im Interview gibt Alina Peter Einblicke in ihren musikalischen Werdegang, ihre bisherigen Erfahrungen und ihre Karriere nach dem Studium. Sie spricht über ihre Entwicklung als Musikerin, die Arbeit mit Fräulein Peter und darüber, welche Erfahrungen sie auf ihrem bisherigen Weg geprägt haben.


Deine Band Fräulein Peter hat sich in den letzten Jahren einen ganz eigenen Platz in der österreichischen Musikszene erarbeitet. Was macht euren Sound besonders und welche Geschichten oder Gefühle möchtet ihr mit eurer Musik vermitteln?


Ich denke, die Mischung aus Female-Fronted-Dialektpop, E-Gitarren und Synthsounds, kombiniert mit unserem mehrstimmigen Gesang und der Power, die wir vor allem live haben, macht uns einzigartig.


Bevor du mit Fräulein Peter deinen eigenen musikalischen Weg gegangen bist, hast du am Vienna Music Institute studiert. Was hat dich damals dazu bewegt, diesen Weg einzuschlagen, und woran erinnerst du dich heute besonders gerne?


Ich habe schon in der Schulzeit mit dem Gedanken gespielt, Gesang zu studieren, und habe dann einige Universitäten und Institute in Wien ins Visier genommen. Am VMI hat man sofort einen sehr persönlichen und familiären Charakter gespürt. Mit den Leuten, die ich bei der Aufnahmeprüfung kennengelernt habe, haben wir sofort eine superliebe Freundesgruppe gegründet. Die Zeit am VMI hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich konnte mir viel mitnehmen und habe dort auch meine Band gefunden. Unser Schlagzeuger Mathias Bauer und unsere Gitarristen Felix Engelmeier und Kristian Stipsich waren ja auch dort. Besonders gerne erinnere ich mich an die pädagogischen Tage, den Austausch beim Gesangsunterricht und an die schönen Unterhaltungen in der Küche beim Kaffeekochen und Kochen.


Wie hat dich deine Zeit am VMI auf deinen Weg als Künstlerin vorbereitet – gab es einen Moment, ein Projekt oder eine Begegnung, die deine musikalische Entwicklung nachhaltig beeinflusst hat?

 

Ich habe mich musikalisch und vor allem pädagogisch sehr viel weiterentwickelt, habe die Freude am Unterrichten entdeckt und wirklich Freunde fürs Leben gefunden. Wir hatten tatsächlich die erste Fräulein Peter-Probe am VMI, damals noch mit anderer Besetzung und anderen Songs, aber der Grundgedanke für das Projekt hat sich dort entwickelt. Ich habe am VMI tatsächlich gelernt, wie schön es sein kann, wenn man gemeinsam an einem Projekt arbeitet und sich mit anderen Musiker:innen aus anderen Genres austauscht. Vor allem die ersten VMI-Nights, damals noch im Blue Tomato, waren für mich eine wirklich tolle Erfahrung. Man hat die Unterstützung und die Freundschaft im Institut richtig gemerkt: Jede:r hat die anderen gefeiert und sich mit ihnen gefreut. Das war wirklich schön zu sehen und zu spüren.

 

Wann und wie kam es zur Gründung deiner Band Fräulein Peter? Was war damals der Auslöser dafür, ein eigenes Projekt zu starten und musikalisch vollständig deinen eigenen Weg zu gehen?

 

Ich habe als 11-Jährige meine ersten Songs geschrieben, bin dann in Wien in eine Original-Band eingestiegen und war da sechs Jahre dabei. Wir sind mit dem Projekt damals in ganz Europa herumgetourt, hatten einen Plattenvertrag in Amerika und haben ca. 30-mal im Jahr gespielt. Es war eine herausfordernde, aber auch coole und lehrreiche Zeit für mich. Gleichzeitig hat sich das für mich immer noch wie Covern angefühlt. Es war nie mein Projekt und nie meine Musik.


2020 war dann Lockdown. Wir mussten mit dem Projekt alle Konzerte und die Tour absagen, und ich hatte damals Zeit, mich wieder mit mir und meinen Träumen zu verbinden. Damals war, wie leider auch heute noch, die Gewalt an Frauen sehr aktuell und vor allem im Lockdown besonders präsent. Da ist dann der Song „Glatteis“ entstanden, der ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen sollte. Den Song haben wir zu Hause aufgenommen und von einem ebenso VMI-Absolventen, David Theni, mischen lassen. Mathias Bauer hat mir damals geholfen, eine Band zusammenzustellen, mit der ich den Song aufgenommen habe, und daraus ist dann relativ schnell Fräulein Peter entstanden. Mittlerweile gibt es uns so richtig mit voller Produktion seit 2022. 

 

Wie hast du die passenden Musiker*innen für die Band gefunden und worauf achtest du bei der Auswahl von Menschen, mit denen du langfristig zusammenarbeitest?

 

Wie schon oben geschrieben, habe ich einen Teil davon am VMI kennengelernt und einen Teil durch Mathias. Mir ist es sehr wichtig, dass wir uns vor allem freundschaftlich gut verstehen, dieselben Ziele und Träume haben und gemeinsam an einem Strang ziehen. Eine Band ist wie eine Beziehung, nur in unserem Fall mit sechs Personen. Da sind regelmäßiger Austausch und eine gute Kommunikation wichtige Voraussetzungen, um langfristig gut zusammenarbeiten zu können.


Ich bin jeden Tag extrem froh, mit so lieben, professionellen und tollen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen. Wir haben so viel Spaß zusammen und geben alle unser Bestes für das Projekt – und das fühlt sich einfach richtig toll an. 

 

Mit mehreren hunderttausend Streams, Airplay – unter anderem auf Ö3 – und der Veröffentlichung eures Debütalbums „Hädi Dadi Wari“ habt ihr wichtige Meilensteine erreicht. Welche Schritte waren entscheidend dafür, dass aus einem jungen Bandprojekt ein professionell aufgebauter und sichtbarer Act geworden ist?

 

Wir sind extrem dankbar und stolz auf das, was wir schon erreichen und erleben durften. Da wir alle einen sehr professionellen Zugang haben und jede:r von uns auch mit anderen Projekten und privat sehr ausgelastet ist, war für uns klar, dass wir, wenn wir dieses Projekt machen, es auch professionell aufbauen möchten und versuchen wollen, mit Fräulein Peter so erfolgreich wie möglich zu werden. Ob es dann wirklich aufgeht, kann man eh nie sagen. 

 

Mit Fräulein Peter konntest du bereits einige große Erfolge feiern – unter anderem einen Auftritt auf der Hauptbühne des Donauinselfests vor einem großen Publikum sowie Support-Shows für etablierte Acts. Welcher dieser Momente war für dich persönlich besonders prägend und warum?

 

Das war definitiv der Auftritt am Donauinselfest vor ca. 40.000 Menschen. Der ganze Tag an sich war so schön. Wir hatten sowohl vor der Bühne als auch backstage so viele liebe Menschen um uns, die sich mit uns gefreut und uns so toll unterstützt haben. Das war für uns alle ein großer Traum, der da in Erfüllung gegangen ist. Zu sehen, dass das Publikum mitsingt und mitmacht, war einfach toll.


Aber auch die kleinen Auftritte im intimen Rahmen liebe ich sehr. Wenn ich merke, ein Song berührt jemanden im Publikum vielleicht sogar zu Tränen, oder die Leute haben einfach Spaß und genießen die Zeit, dann macht mich das sehr glücklich. 

 

Welche weniger sichtbare Arbeit steckt hinter diesen Erfolgen und welche Aufgaben übernimmst du selbst? (Booking, Social Media, Pressearbeit, Probenplanung, Netzwerkpflege, etc.)

 

Puh, ja, also da gibt es eine ganze Menge Arbeit, die man nicht sieht und nicht mitbekommt. Da wir weder Booking-Agentur noch Management haben, machen wir das alles selbst. Auch stundenlanges Videodrehen und vor allem Schneiden, regelmäßiges Posten, Fotoshootings, Musikvideodrehs und eine ganze Menge Denkarbeit darf man nicht unterschätzen. Man könnte hier wirklich ständig und dauernd arbeiten.


Auch regelmäßiges Songwriting, Studio, Recording, Proben und Meetings nehmen viel Zeit in Anspruch. Da ist es dann umso schöner, wenn man sich gewisse Arbeiten aufteilen kann und von der Band so viel Unterstützung bekommt. 

 

Welche Erfahrungen aus deinen musikalischen Projekten und deiner bisherigen Laufbahn haben dich besonders geprägt? Was hast du dabei über die Musikbranche, das Tourleben und deine eigenen künstlerischen Bedürfnisse gelernt?

 

Ich denke, mich haben so ziemlich alle Erlebnisse, sowohl gute als auch schlechte, geprägt. Ich habe im Jahr 2021/22 das Musikbusiness in Österreich erstmals so richtig kennengelernt und ich muss sagen, da sind schon ein paar Facetten gebröckelt und Glaubenssätze flöten gegangen, und ich wurde – wie Josh schön sagt – „desillusioniert“.


Man merkt, wie sehr man auf Vitamin B angewiesen ist und welche Mythen man hier tatsächlich geglaubt hat (z. B. wenn man mal auf Ö3 läuft, hat man es geschafft und so weiter). Ich bin da relativ schnell auf den Boden der Tatsachen gekommen, was aber auch gut ist. Von da aus kann man sich gut weiterentwickeln! 


Das Tourleben hat mir sehr geholfen, mich und meine Mitmenschen noch einmal besser und auf andere Art und Weise kennenzulernen. Wir hatten da anfänglich ein paar Probleme, aber sobald wir gegenseitig unsere Bedürfnisse wahrgenommen und kommuniziert haben, konnten wir mit gewissen Situationen viel besser umgehen. Außerdem haben wir dann so kleine Rituale eingeführt, wie zehn Minuten vor dem Auftritt noch einmal backstage zusammenzukommen, uns aufzuwärmen, einzusingen und uns gemeinsam auf den Auftritt einzustimmen. Das ist superwichtig für uns als Band. 

 

Seit deinem Abschluss am VMI hast du dir mehrere berufliche Standbeine aufgebaut: als Sängerin, Songwriterin, Bandleaderin und Vocal Coach. Wie sieht dein Arbeitsalltag heute tatsächlich aus, und wie teilst du deine Zeit zwischen kreativer Arbeit, Unterricht, Organisation und Administration auf?

 

Puh, das ist eine gute Frage. Durch meine vielen Standbeine ist bei mir wirklich sehr viel los und mein Kalender immer voll, was ich nicht unbedingt immer als positiv bewerten würde. Hier muss und darf ich noch lernen, mir bewusster Zeit für mich selbst zu nehmen.


Im Grunde finde ich aber mittlerweile einen guten Ausgleich und eine gute Einteilung, sodass ich jedem Part genügend Aufmerksamkeit schenken kann. Natürlich gibt es Phasen, in denen das eine Projekt mehr Aufmerksamkeit braucht und bekommt als andere. Da durfte ich lernen, ein bisschen Druck rauszunehmen. Ich habe nun mal nur 24 Stunden zur Verfügung und kann nicht überall gleich stark vertreten sein – und das muss ich auch nicht.


Der Ausgleich und die abwechslungsreiche Arbeit sind aber das, was mich hier sehr motiviert. Am liebsten würde ich allerdings Dinge wie Administration und Organisation abgeben und nur kreative Arbeit machen. Das andere gehört aber auch dazu! 

 

Was würdest du VMI-Studierenden mitgeben, die eine eigene Band oder ein eigenes Artist-Projekt starten möchten: Welche drei Dinge sollten sie möglichst früh lernen?

 

1.    Ausdauer ist der Schlüssel. Musik machen ist definitiv ein Langstreckensport :D Halte dir immer wieder vor Augen, warum du das machst, und schreib dir auch auf, was du schon alles erreicht hast. Das motiviert in schwierigen Zeiten.


2.    Sei dir bewusst, was du willst und wo du hinwillst, und hol dir Leute, die dieselben Ziele haben und auf die du dich wirklich verlassen kannst.


3.     Lass dich von anderen Meinungen außerhalb deines Projektes nicht unterkriegen. Es wird immer Leute geben, die das nicht gut finden, was du machst! Haters gonna hate – es kann nie allen gefallen.


Was dürfen wir von Fräulein Peter in Zukunft erwarten und welche musikalischen Ziele oder Träume möchtest du noch verwirklichen?

 

Bei uns kommt Anfang 2027 unser zweites Album, worauf wir uns schon sehr freuen. Weiters werden wir natürlich viel live spielen. Es ist momentan eine Tour Anfang 2027 durch Österreich und Deutschland geplant, da dürfen wir aber noch nicht zu viel verraten. Gerne auf unserer Webseite und Social Media die Augen offenhalten!


Wir haben tatsächlich einzeln und als Band einige konkrete Ziele. Das wären unter anderem Auftritte auf der Burg Clam oder beim Frequency bzw. Woodstock der Blasmusik, eine ausverkaufte Tour, ein Amadeus Award und natürlich ein Nummer-1-Hit ;).


Ein Kindheitstraum wäre definitiv ein Konzert mit Christina Stürmer oder ein Auftritt am Domplatz in Salzburg, wo ich damals mit acht Jahren mein erstes Konzert selbst besuchen durfte.


Was mir aber auch persönlich ein Anliegen und ein Wunsch ist, ist, mit meiner tollen Band und dem grandiosen Team rundherum noch viele Jahre weiter Musik machen zu können und Leute mit unserer Musik zu berühren. Wenn ich Nachrichten bekomme, in denen mir jemand schreibt, dass ein Song ihm oder ihr in einer schwierigen Zeit sehr geholfen hat, oder vor allem junge Menschen manche Songs im Chor singen oder bei Referaten als Lieblingssong präsentieren, dann gibt es eigentlich kaum etwas Schöneres für mich. 


photo: ©  Georg Cizek


LINKS - FRÄULEIN PETER


 
 
 

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