VMI SPOTLIGHT INTERVIEW // David Schnabellehner aka KADE - VMI Alumnus & Drum&Bass-Artist
Aktualisiert: 1. Okt.

photo: © Alex Holzapfel
In diesem VMI Spotlight Interview stellen wir VMI-Alumnus David Schnabellehner aka KADE vor. Er studierte Electronic Music & Sound Design am Vienna Music Institute und legte damit den Grundstein für seinen Weg als Producer und DJ in der Drum & Bass-Szene.
Als KADE hat er sich in den vergangenen Jahren zunehmend einen Namen in der österreichischen und internationalen Drum & Bass-Szene gemacht. Neben Auftritten beim Donauinselfest, Electric Love Festival und Frequency Festival wurde seine Musik bereits von etablierten Artists der Szene wahrgenommen und supportet. UKF ernannte ihn zudem zu einem ihrer „Ones To Watch“ für 2026.
Im Interview gibt KADE Einblicke in seinen musikalischen Werdegang, seine Zeit am VMI und die Entwicklung seiner künstlerischen Identität. Er spricht über Perfektionismus und die Herausforderungen beim Aufbau einer Musikkarriere, prägende Meilensteine und darüber, warum ein klarer Workflow und die intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Tools für ihn entscheidend auf dem Weg zu einem individuellen Sound sind.
Bevor wir über KADE sprechen, gehen wir noch einmal ganz an den Anfang zurück: Wie bist du erstmals mit Electronic Music und Drum & Bass in Berührung gekommen, und wann hast du gemerkt, dass du selbst Musik produzieren möchtest, anstatt sie nur zu hören?
Zuallererst vielen lieben Dank für die Einladung. Ich freue mich wirklich sehr, dass ich in dieser Spotlight-Ausgabe dabei sein darf.
Wenn ich ganz an den Anfang zurückgehe, dann war ich ungefähr 11 oder 12 Jahre alt. Mein Großcousin war damals schon ein bisschen in der Musikproduktion unterwegs, und war bei uns zu Besuch. Ich erinnere mich noch klar daran, wie wir in meinem Kinderzimmer standen und er mir Scary Monsters and Nice Sprites von Skrillex vorgespielt hat. Das war so dieser Moment, wo ich zum ersten Mal dieses Gefühl hatte: okay, das ist interessant.
Drum & Bass kam dann ein paar Jahre später dazu, so mit 15 ungefähr. Ich bin damals in einen neuen Freundeskreis gekommen, wo viel elektronische Musik gehört wurde und eben auch DnB. Ich habe mich sofort in diesen Sound verliebt, und DnB wurde für mich nicht mehr nur eine Musikrichtung, sondern eine echte Leidenschaft.
Ich hab dann angefangen, im Kinderzimmer aufzulegen, einfach aus Spaß, ohne irgendeinen Plan. Aber genau da hat eigentlich alles begonnen – dieses Gefühl, selbst Teil davon zu sein. Und irgendwann, ein paar Jahre später, so mit 20 oder 21, ist dann dieser Gedanke gekommen: eigentlich will ich nicht nur auflegen, ich will das selbst bauen, selbst Musik machen.
Du hast Electronic Music & Sound Design am VMI studiert. Was hat dich dazu bewegt, dich für diesen Studiengang zu entscheiden, und mit welchen Erwartungen hast du damals dein Studium am VMI begonnen?
Der Weg ins Studium war eigentlich eine ziemlich natürliche Entwicklung aus dem, was ich davor gemacht habe. Ich habe in meinem Zimmer wirklich täglich Musik gehört und aufgelegt und irgendwann war dieser Punkt da, wo ich gemerkt habe: Ich will das nicht nur konsumieren oder spielen, ich will verstehen, wie das entsteht.
Nach meiner Matura stand ich dann genau an diesem klassischen Punkt: Was mache ich jetzt eigentlich mit meinem Leben. Ich habe mich dann bewusst auf Musik fokussiert und bin auf das Studium gestoßen. Und ich weiß noch genau, wie ich den Lehrplan gelesen habe und mir dachte: Das ist es. Das fühlt sich richtig an. Ich hab dann eigentlich ziemlich schnell entschieden, dass ich das komplett ernst nehme und diesen Weg wirklich gehe.
Meine Erwartungen an mich selbst waren von Anfang an relativ hoch, weil ich innerlich eigentlich schon immer wusste, dass ich das beruflich machen will. Ich habe mir am Anfang sogar ganz konkret ein Ziel gesetzt: nach dem Studium meinen ersten Release auf meinem damaligen Traumlabel zu haben.
Wenn ich ehrlich bin, hat sich das alles dann aber ein bisschen anders entwickelt als geplant. Nicht schlechter – einfach langsamer und realistischer. Aber genau das war wahrscheinlich auch wichtig.
Wie viel von dem KADE-Sound, den man heute kennt, war bereits während deiner Zeit am VMI vorhanden, und wie stark hat sich deine künstlerische Identität nach deinem Abschluss weiterentwickelt?
Ich glaube, ich bin ehrlich gesagt immer noch an dem Punkt, wo ich selbst versuche herauszufinden, was genau der „KADE Sound“ eigentlich ist.
Was aber schon während meiner VMI-Zeit klar da war, ist dieser Anspruch, etwas Eigenes zu machen. Ich wollte nie einfach nur irgendeinen Sound nachbauen. Schon damals war mir wichtig, dass es clean ist, dass es drückt, dass es irgendwie besonders klingt – viel Fokus auf Sound Design, auf Synths, auf Bässe, die Charakter haben.
Wenn ich meine Musik heute mit damals vergleiche, dann ist das Grundgefühl eigentlich noch sehr ähnlich geblieben. Ich versuche immer noch, nicht zu generisch zu sein, sondern etwas zu bauen, das eine eigene Identität hat.
Trotzdem würde ich sagen, dass ich mich selbst noch in einer ziemlich offenen Phase befinde. Ich bin definitiv noch nicht an dem Punkt, an dem ich sagen würde: Das ist jetzt mein fixer Sound. Ich entwickle mich da noch sehr stark weiter und sehe das eher als langfristigen Prozess. Ich glaube, erst über die nächsten Jahre, durch konstantes Releasen, wird sich wirklich zeigen, wohin sich das Ganze entwickelt.

photo: © Tim König
Wenn du auf deine Zeit am VMI zurückblickst: Welche Fähigkeiten, Erfahrungen oder Learnings haben dich als Produzent am stärksten geprägt?
Ich bin damals wirklich als kompletter Anfänger ins Studium gegangen. Ich hatte zwar schon viel Musik gehört und gespielt, aber technisch gesehen eigentlich kaum Ahnung.
Deshalb waren für mich die ersten ein bis zwei Jahre am prägendsten. Alles war neu – wirklich alles. Jeder Sound, jede Technik, jedes Plugin, jede Entscheidung im Workflow. Das war eine sehr intensive Zeit, weil ich dort gefühlt jeden Tag etwas gelernt habe, das ich sofort in meine Musik einbauen konnte.
Ich glaube, genau diese Phase hat mich am stärksten geformt, weil sie mir gezeigt hat, wie viel eigentlich hinter Musikproduktion steckt und wie viel Tiefe es in diesem Bereich gibt. Und gleichzeitig hat sie mir auch diese Neugier gegeben, die bis heute geblieben ist.
Du warst bereits mehrere Jahre in der Drum-&-Bass-Szene aktiv, bevor du offiziell Musik als KADE veröffentlicht hast – beginnend mit deinem Debüt-Track „Glorp Business“ im Jahr 2025. Was hat dich dazu gebracht, darauf zu warten, für deine ersten eigenen Releases bereit zu sein?
Ich bin einfach extrem perfektionistisch. Das ist gleichzeitig etwas Gutes, aber auch etwas, das mich manchmal ausbremst. Ich bin selten wirklich zufrieden mit dem, was ich mache, was oft dazu führt, dass Projekte im Laufe des Prozesses wieder im „Kübel“ landen, bevor sie überhaupt fertig oder geschweige denn release-ready sind.
Deshalb hat es bei mir relativ lange gedauert, bis ich überhaupt das Gefühl hatte, dass ich Musik veröffentlichen kann. Und selbst der erste Schritt war dann eigentlich nur ein SoundCloud-Upload – kein offizieller Release.
Ich glaube, dieser Anspruch hat mir einerseits geholfen, meinen Sound zu entwickeln, aber gleichzeitig auch dafür gesorgt, dass alles etwas länger dauert. Der erste richtige offizielle Release steht tatsächlich noch aus, wird aber hoffentlich bald kommen – stay tuned. ;)
Deine Karriere hat innerhalb relativ kurzer Zeit bemerkenswert an Fahrt aufgenommen. Wann hattest du zum ersten Mal das Gefühl, dass sich etwas verändert und aus „Ich mache Musik und spiele Shows“ tatsächlich „Das könnte meine Karriere werden“ wird?
Der Gedanke war, ehrlich gesagt, schon sehr früh da. Ich bin jemand, der sich sehr stark auf Dinge fokussiert, die ihn wirklich interessieren, und Musik war für mich immer genau das. Ich habe eigentlich nie wirklich einen Plan B gehabt, weil ich dieses Gefühl hatte, dass das mein Weg ist.
Aber der erste richtige Moment, wo ich gemerkt habe, dass sich etwas verändert, war vor ungefähr zwei Jahren, als ich einen Management-Vertrag unterschrieben habe. Das war so ein Punkt, an dem es plötzlich nicht mehr nur ein Hobby oder eine Leidenschaft war, sondern etwas Struktur bekommen hat.
Und dieses Jahr war dann nochmal ein großer Schritt, als meine Musik das erste Mal wirklich von größeren Artists aus der Szene wahrgenommen und supportet wurde. Das sind so Momente, wo sich innerlich etwas verschiebt.
2025 hast du beim Donauinselfest gespielt, und seither kamen weitere Möglichkeiten wie das Electric Love Festival und das Frequency Festival hinzu. Welche Show war bisher dein persönlicher Favorit? Und wie verarbeitest du solche Meilensteine, wenn sie in so kurzer Zeit aufeinanderfolgen?
Ganz klar das Donauinselfest. Nicht unbedingt, weil es das größte Booking war, sondern weil es emotional einfach alles hatte. Es war meine erste große Bühne, meine Eltern waren zum ersten Mal mit dabei, viele Freunde waren da, und ich habe diesen Tag wirklich von Anfang bis Ende komplett bewusst erlebt. Das war so ein Moment, wo ich währenddessen schon gemerkt habe: okay, das hier bleibt hängen. Und dieser Gig wird auch mit Sicherheit lange eines meiner absoluten Highlights bleiben.
Dieses Jahr war generell extrem intensiv. Ich war viel unterwegs, habe mehrere Festivals gespielt und war gefühlt dauerhaft in diesem „High“. Und irgendwann kommt dann automatisch dieser Kontrast, wenn alles wieder ruhiger wird und man zurück in den Alltag kommt.
Ich glaube, der wichtigste Umgang damit ist, sich bewusst zu machen, was man eigentlich gerade erlebt hat. Nicht einfach weiterrennen, sondern diese Momente wirklich kurz zu verarbeiten und auch dankbar dafür zu sein.
UKF hat dich zu einem ihrer „Ones To Watch“ für 2026 ernannt. Was hat es für dich bedeutet, bereits in einer so frühen Phase deiner Karriere als veröffentlichender Artist eine solche internationale Anerkennung zu bekommen?
Das war ehrlich gesagt ein ziemlicher Überraschungsmoment. Ich habe damit überhaupt nicht gerechnet und genau deshalb hat es mich umso mehr gefreut. Vor allem, weil ich noch nicht einmal einen offiziellen Label-Release hatte. Das hat mir extrem viel Selbstvertrauen gegeben, weil es von außen nochmal bestätigt hat, dass das, was ich mache, irgendwo ankommt – auch international.

photo: © Alex Holzapfel
Camo & Krooked haben dich gemeinsam mit anderen aufstrebenden österreichischen Produzent*innen zu FM4 eingeladen, um einige deiner noch unveröffentlichten Tracks zu präsentieren. Wie hast du diese Erfahrung erlebt – insbesondere die Anerkennung von Artists, die maßgeblich dazu beigetragen haben, österreichischen Drum & Bass international bekannt zu machen?
Ja, das war auf jeden Fall eines meiner größten Highlights bisher. Camo & Krooked sind für mich meine absoluten Vorbilder im Drum & Bass und mitunter auch zwei der besten Producer, die es gibt. Von den beiden zu ihrer Radioshow eingeladen zu werden, um ein Interview zu geben und einen eigenen Track zu präsentieren, war für mich absolut verrückt und eine riesige Ehre. Und um ehrlich zu sein, war es auch ziemlich aufregend, als Fan plötzlich in diesem Kontext mit ihnen in Verbindung zu stehen.
Es hat mir auf jeden Fall einen ordentlichen Push gegeben und mir nochmal gezeigt, dass sich das KADE-Projekt in eine gute Richtung entwickelt.
Von außen kann eine schnell wachsende Musikkarriere wie eine Aneinanderreihung von Releases, Festivalshows und spannenden Möglichkeiten wirken. Wie sieht dein Alltag als KADE hinter den Kulissen tatsächlich aus?
Mein Alltag ist aktuell ehrlich gesagt ziemlich simpel. Ich fokussiere mich momentan zu 100% auf Musik. Das heißt viel Zeit im Studio, viel Arbeiten an Ideen, Sounds, Projekten und ständigem Weiterentwickeln. Außerhalb davon passiert gerade nicht viel.
Eat. Sleep. Ableton. Repeat.
Was war bisher die größte Herausforderung beim Aufbau deiner Karriere, und wie hast du gelernt, damit umzugehen?
Ganz ehrlich: ich selbst. Mein Perfektionismus ist gleichzeitig meine größte Stärke und meine größte Herausforderung. Er bringt mich dazu, extrem genau zu arbeiten, aber er sorgt auch dafür, dass ich Dinge oft viel länger mit mir selbst ausmache, als eigentlich nötig wäre.
Ich lerne immer noch, damit umzugehen – zu akzeptieren, dass „fertig“ manchmal auch einfach gut genug ist und dass nicht alles perfekt sein muss, um rauszugehen. Das ist wahrscheinlich eine der konstantesten Lernkurven in meiner ganzen Entwicklung.
Zum Abschluss: Was würdest du Studierenden mitgeben, die heute in denselben Unterrichtsräumen sitzen, in denen du selbst einmal studiert hast, und davon träumen, professionelle Artists zu werden? Welchen Rat würdest du ihnen geben, und womit sollten sie deiner Meinung nach bereits jetzt beginnen?
Ich glaube, wenn man heute als Bedroom Producer startet, ist Social Media definitiv ein wichtiger Faktor, um sichtbar zu werden. Man kann mit guter Vermarktung sehr viel erreichen, und das geht mittlerweile relativ schnell. Gleichzeitig ist das aber nicht der Teil, auf den ich persönlich am meisten Wert lege. Für mich steht immer noch die Musik selbst im Mittelpunkt.
Mein wichtigster Rat wäre deshalb eher praktisch aus der Produktion heraus gedacht:
Baue dir früh eine klare, kleine und saubere Tool-Base auf.
Überlade deine Sample Library nicht mit unzähligen Packs. Vier bis fünf wirklich gute, passende Packs reichen völlig aus – am besten auch eigene Sounds. Das Gleiche gilt für Plugins und Synths: lieber ein, zwei Synths wirklich tief verstehen, als zehn nur oberflächlich zu benutzen.
Baue dir einen festen Workflow auf und lerne deine Tools wirklich tief kennen. Wenn du anfängst, mit denselben Sounds, gleichen Routinen und bestimmten Patterns zu arbeiten und diese immer wieder weiterentwickelst oder recycelst, entstehen automatisch gewisse Muster in deiner Musik. Genau daraus entsteht dann langfristig ein Wiedererkennungswert im Sounddesign.
Wenn du deine wichtigsten Tools wirklich beherrschst und konsequent in deinen Prozess einbaust, kommst du viel schneller zu einem eigenen Sound, der dich auch wirklich als Artist definiert.

photo: © Tim König
LINKS - KADE
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SoundCloud: https://on.soundcloud.com/gkDjXUT6h2CRFvHt4F
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